Mobilität und Austritt · Schwerpunkt

    Offboarding ohne Wissensverlust

    Von Redaktion techport.ai, HR-Beratung · Zuletzt aktualisiert am

    Der Vertriebsleiter verlässt das Unternehmen. Sein Laptop wird am letzten Tag abgegeben, sein Schlüssel auch. Sein Zugang zum CRM bleibt drei Monate aktiv, sein E-Mail-Konto ein halbes Jahr. Die Kontakte zu den fünf größten Kunden kennt nur er, die Absprachen mit ihnen stehen in seinem Postfach. Die Nachfolgerin startet zwei Monate nach seinem Abschied und erfährt von der Rabattvereinbarung, als der Kunde sie einfordert.

    Offboarding ist der Spiegel des Onboardings und wird genauso selten gestaltet. Es hat drei Aufgaben: Wissen sichern, Zugänge schließen, Beziehung erhalten. Und es ist ein Prozess mit immer gleichen Schritten, der im System laufen kann.

    Woran Sie es merken

    • Zugänge ehemaliger Mitarbeitender sind noch aktiv. Die IT erfährt von Austritten aus der Gehaltsliste.
    • Übergaben finden statt, wenn die Nachfolge schon da ist. Meist ist sie es nicht.
    • Austrittsgespräche werden geführt, aber nicht ausgewertet.
    • Ehemalige kommen nicht zurück, weil sie nie gefragt wurden.

    Warum das passiert

    Der Austritt ist im HR-System ein Datum. Was davor und danach passieren muss, verteilt sich auf IT, Führungskraft, Facility, Kolleginnen und HR, ohne dass ein Auslöser alle erreicht. Und weil die Person geht, fehlt der Anlass, in sie zu investieren. Dabei ist sie in den letzten vier Wochen wertvoller als je zuvor: Sie weiß, was niemand sonst weiß, und sie hat Zeit, es weiterzugeben.

    So gehen wir vor

    1. Auslöser definieren. Die Kündigung oder die Vereinbarung eines Austritts im HR-System startet den Prozess, nicht die Gehaltsliste am Monatsende. Jeder Beteiligte bekommt seine Aufgaben mit Frist.
    2. Wissenstransfer strukturieren. Eine kurze Vorlage je Rolle: laufende Vorgänge, Kontakte, Vereinbarungen, Ablageorte, offene Fragen. Wird in den ersten Tagen nach der Kündigung ausgefüllt, mit der Führungskraft besprochen und im System abgelegt, auch wenn die Nachfolge noch nicht da ist.
    3. Deprovisioning automatisieren. Das Austrittsdatum steuert die Sperrung aller Zugänge über eine Schnittstelle zwischen HR-System und Identitätsmanagement. Geräte, Schlüssel und Berechtigungen werden als Checkliste geführt und abgehakt, nicht erinnert.
    4. Abschied und Alumni gestalten. Austrittsgespräch mit festem Leitfaden, ausgewertet je Quartal nach Gründen und Bereichen. Angebot, in Kontakt zu bleiben, und ein Prozess für Wiedereinstellungen, die oft die besten Einstellungen sind.

    Was Sie davon haben

    • Wissen bleibt im Unternehmen, auch wenn die Nachfolge später kommt.
    • Sicherheitsrisiken durch offene Zugänge verschwinden, und das ist bei jeder Zertifizierung ein Prüfpunkt.
    • Ehemalige werden zu Botschaftern und manchmal zu Rückkehrern.

    Aus unseren Projekten

    Wenn wir in Projekten die aktiven Konten mit der Beschäftigtenliste abgleichen, finden wir praktisch immer Zugänge ehemaliger Mitarbeitender, manchmal von Personen, die seit Jahren ausgeschieden sind. Das ist der Befund, der IT und Geschäftsführung am schnellsten überzeugt. Die strukturierte Wissensübergabe mit einer Vorlage je Rolle wird von den Ausscheidenden in aller Regel gern ausgefüllt, sie will ihre Arbeit in guten Händen wissen, wenn sie nicht im Streit geht.

    Gut zu wissen

    Die Datenschutz-Grundverordnung verlangt, dass Zugriffsrechte auf das Notwendige beschränkt sind. Aktive Konten ehemaliger Beschäftigter sind ein Verstoß und ein häufiger Befund in Audits nach ISO 27001 oder TISAX. Das Postfach eines Ausgeschiedenen darf nicht einfach weitergeführt werden, es braucht eine Regelung zu Abwesenheitsnotiz, Weiterleitung und Löschung. Arbeitszeugnisse sind nach § 109 Gewerbeordnung zu erteilen, der Prozess dafür gehört ins Offboarding, nicht in die Erinnerung des Ausgeschiedenen.

    Häufige Fragen

    Was, wenn die Kündigung im Streit erfolgt?

    Dann ist der strukturierte Prozess wichtiger als sonst. Wissenstransfer und Rückgabe laufen nach Vorlage und Checkliste, das Austrittsgespräch kann entfallen. Zugänge werden am Tag der Freistellung gesperrt, nicht am Vertragsende.

    Lohnt sich ein Alumni-Netzwerk für ein mittelständisches Unternehmen?

    Ein Netzwerk mit Veranstaltungen lohnt sich selten. Ein Verteiler, eine jährliche Nachricht und die ausdrückliche Einladung, sich wieder zu bewerben, lohnen sich fast immer. Rückkehrer sind schneller produktiv als jede Neueinstellung.

    Sprechen wir über Offboarding ohne Wissensverlust

    Im Erstgespräch klären wir in dreißig Minuten, wo bei Ihnen der größte Hebel liegt und ob wir die Richtigen dafür sind.

    Weiterführend

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    Quellen