Datenstrategie und Verantwortung
Von Redaktion techport.ai, IT-Beratung · Zuletzt aktualisiert am
Über Daten wird in Unternehmen erst gesprochen, wenn etwas nicht funktioniert: wenn zwei Berichte unterschiedliche Zahlen zeigen, wenn eine Automatisierung an leeren Feldern scheitert oder wenn ein KI-Vorhaben nicht startet, weil die Grundlage fehlt. Bis dahin gelten Daten als Nebenprodukt der Systeme.
Eine Datenstrategie im Mittelstand ist kein Programm mit Gremien. Sie besteht aus wenigen Festlegungen: welche Daten wirklich zählen, welches System für welche Daten führend ist, wer sie verantwortet und welche Regeln bei Erfassung und Pflege gelten.
Woran Sie es merken
- Zwei Auswertungen zur selben Frage kommen zu verschiedenen Ergebnissen.
- Bei Rückfragen zur Herkunft einer Zahl kann niemand sie bis zur Quelle verfolgen.
- Es gibt keine verbindliche Definition zentraler Begriffe wie Kunde, Auftrag oder aktiv.
- Datenpflege wird als lästige Zusatzaufgabe empfunden, für die niemand zuständig ist.
Warum das passiert
Daten entstehen dort, wo gearbeitet wird, und nicht dort, wo sie später ausgewertet werden. Die Person, die einen Datensatz anlegt, hat kein Interesse an der Auswertung in einem halben Jahr, sondern will ihren Vorgang abschließen. Solange niemand die Verbindung zwischen Erfassung und Nutzung herstellt und solange schlechte Daten keine spürbare Rückmeldung erzeugen, ist die Qualität eine Frage der persönlichen Sorgfalt. Genau deshalb schwankt sie zwischen Abteilungen so stark.
So gehen wir vor
- Geschäftskritische Daten benennen. Wir bestimmen mit den Fachbereichen die wenigen Datenobjekte, an denen das Geschäft hängt, typischerweise Kunden, Artikel, Preise, Aufträge, Lieferanten und Mitarbeitende, und beschreiben je Objekt, wofür die Daten verwendet werden.
- Führung und Verantwortung festlegen. Wir legen je Objekt fest, welches System führend ist und welche Person fachlich verantwortet. Diese Rolle entscheidet über Pflichtfelder, Wertelisten und Regeln, nicht die IT.
- Begriffe definieren. Wir schreiben die zentralen Begriffe verbindlich fest, mit Definition und Berechnungsregel, sodass Auswertungen im ganzen Unternehmen gleich gelesen werden. Diese Sammlung wächst mit jedem Bericht und gehört an einen zentralen Ort.
- Regeln im System verankern. Wir setzen die Festlegungen dort um, wo Daten entstehen: Pflichtfelder, Prüfungen, Wertelisten, Dublettenprüfung. Regeln, die nur in einem Dokument stehen, wirken nicht.
Was Sie davon haben
- Auswertungen, über deren Zahlen nicht mehr diskutiert wird.
- Eine belastbare Grundlage für Automatisierung und KI-Vorhaben.
- Klare Zuständigkeit bei Fragen zu Daten, statt Verweisen zwischen Bereichen.
Aus unseren Projekten
Die Festlegung eines führenden Systems je Datenobjekt ist die einzelne Maßnahme mit der größten Wirkung und zugleich die, die am meisten Diskussion erzeugt. Der Grund ist selten technisch: Wer ein System führt, gibt einen Teil seiner Freiheit ab. Wir führen diese Diskussion deshalb entlang von Beispielen aus dem Alltag statt entlang von Prinzipien, etwa an einem konkreten Fall, in dem eine geänderte Adresse in einem System nicht im anderen ankam. Der zweite regelmäßige Befund: Begriffsdefinitionen fehlen an genau den Stellen, an denen sie am meisten Streit erzeugen, insbesondere bei der Frage, was ein aktiver Kunde ist und ab wann ein Auftrag als abgeschlossen gilt.
Häufige Fragen
Brauchen wir eine eigene Rolle für Datenverantwortung?
Keine eigene Stelle, aber eine benannte Rolle in den Fachbereichen. In den meisten mittelständischen Unternehmen ist das eine erfahrene Person je Datenobjekt, die diese Aufgabe zusätzlich übernimmt, mit klar begrenztem Zeitanteil. Wichtig ist, dass die Rolle Entscheidungsbefugnis hat, sonst wird sie zur Sammelstelle für Beschwerden.
Was kommt zuerst, Datenstrategie oder Auswertungen?
In der Praxis beides zusammen. Eine Datenstrategie ohne konkreten Anlass bleibt abstrakt und wird nicht umgesetzt. Wir starten deshalb meist mit einer wichtigen Auswertung, klären dabei Definitionen und Verantwortung für die betroffenen Objekte und übertragen das Ergebnis danach auf die übrigen.
Sprechen wir über Datenstrategie und Verantwortung
Im Erstgespräch klären wir in dreißig Minuten, wo bei Ihnen der größte Hebel liegt und ob wir die Richtigen dafür sind.
Weiterführend
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