Sicherheit und Resilienz

    Notfallmanagement und Wiederanlauf

    Von Redaktion techport.ai, IT-Beratung · Zuletzt aktualisiert am

    Die entscheidende Frage in der IT-Sicherheit lautet nicht, wie ein Angriff verhindert wird, sondern wie lange das Unternehmen ohne seine Systeme arbeiten kann und wie es zurückkommt. Bei einem Verschlüsselungsangriff sind typischerweise nicht einzelne Server betroffen, sondern das Netz, der Verzeichnisdienst, die Datensicherung und die Telefonie. Wer dann einen Plan sucht, der auf dem verschlüsselten Server liegt, hat keinen Plan.

    Notfallmanagement ist unangenehm, weil es die Frage stellt, was schiefgehen kann. Es ist zugleich der Bereich, in dem wenige Tage Vorbereitung über Wochen Stillstand entscheiden.

    Woran Sie es merken

    • Es gibt einen Notfallplan, aber er wurde nie geübt.
    • Niemand weiß, in welcher Reihenfolge Systeme wieder anlaufen müssen.
    • Die Kontaktdaten für den Ernstfall liegen ausschließlich digital in den Systemen, die ausgefallen sind.
    • Es ist nicht festgelegt, wer im Notfall entscheiden darf, wenn die Geschäftsführung nicht erreichbar ist.

    Warum das passiert

    Notfallvorsorge bringt im Normalbetrieb keinen sichtbaren Nutzen. Sie konkurriert mit Projekten, die Ergebnisse liefern, und verliert diesen Wettbewerb zuverlässig, bis etwas passiert. Dazu kommt die verbreitete Annahme, ein vorhandenes Backup sei bereits die Vorsorge. Ein Backup ist eine Voraussetzung, kein Plan. Es beantwortet nicht, in welcher Reihenfolge wiederhergestellt wird, wer wen informiert, wie ohne IT weitergearbeitet wird und wann der Betrieb als wiederhergestellt gilt.

    So gehen wir vor

    1. Kritische Prozesse und Zeitvorgaben bestimmen. Wir klären mit den Fachbereichen, welche Prozesse wie lange ausfallen dürfen und wie viel Datenverlust tolerabel ist. Aus diesen beiden Größen ergibt sich alles Weitere, einschließlich der Anforderungen an die Sicherung.
    2. Notfallplan erstellen. Wir schreiben einen Plan, der im Ernstfall benutzbar ist: Alarmierung, Rollen, Entscheidungswege, Reihenfolge des Wiederanlaufs, Ersatzverfahren für den Betrieb ohne IT, Kontaktdaten und Meldepflichten. Der Plan liegt zusätzlich außerhalb der eigenen Systeme und auf Papier.
    3. Üben. Wir führen Übungen durch, angefangen bei einer Besprechung am Tisch bis zur technischen Wiederherstellung in einer getrennten Umgebung. Erst die Übung zeigt, ob Annahmen stimmen, insbesondere die Annahme über die benötigte Zeit.
    4. Auswerten und verbessern. Wir werten jede Übung und jeden echten Vorfall aus und übertragen die Erkenntnisse in Plan, Technik und Verträge. Ein Notfallplan ist ein Dokument mit Versionsstand, kein einmaliges Ergebnis.

    Was Sie davon haben

    • Eine belastbare Aussage darüber, wie lange ein Wiederanlauf tatsächlich dauert.
    • Handlungsfähigkeit in den ersten Stunden, in denen die meisten Fehler passieren.
    • Erfüllung von Anforderungen aus Gesetz, Versicherung und Kundenverträgen.

    Aus unseren Projekten

    In der ersten Übung ist die geschätzte Wiederanlaufzeit fast immer deutlich zu optimistisch. Die Gründe sind selten technisch: Zugangsdaten für Administratoren liegen in einem Passwortspeicher, der selbst betroffen ist, die Reihenfolge der Systeme ist unklar, und die Personen, die entscheiden müssten, sind nicht erreichbar, weil ihre Nummern nur im ausgefallenen System stehen. Diese Punkte lassen sich in wenigen Tagen beheben, sobald sie bekannt sind, und sie werden nur durch eine Übung bekannt. Der zweite regelmäßige Befund: Der Betrieb ohne IT ist in den Fachbereichen selten durchdacht. Die Frage, wie Aufträge einen Tag lang ohne System angenommen werden, gehört in den Plan und wird in der Praxis fast immer vergessen.

    Gut zu wissen

    Für Unternehmen, die unter das BSI-Gesetz fallen, sind Notfallmanagement und Wiederherstellung ausdrücklich Bestandteil der Risikomanagementmaßnahmen nach § 30 BSIG. Unabhängig davon gehört die Vorsorge zu den Sorgfaltspflichten der Geschäftsleitung: Für die GmbH ergibt sich das aus § 43 GmbHG, für die Aktiengesellschaft aus § 91 AktG mit der ausdrücklichen Pflicht zu einem Überwachungssystem für bestandsgefährdende Entwicklungen. Auch Cyberversicherungen verlangen inzwischen regelmäßig einen geprüften Wiederanlauf, und im Schadensfall wird das Vorhandensein und die Wirksamkeit der Maßnahmen geprüft. Der BSI-Standard 200-4 beschreibt ein Vorgehen zum Aufbau eines Notfallmanagements, das sich auch für kleinere Organisationen stufenweise umsetzen lässt.

    Häufige Fragen

    Wie oft sollten wir den Ernstfall üben?

    Mindestens einmal jährlich eine Übung am Tisch mit dem Führungskreis und mindestens einmal jährlich eine technische Wiederherstellung der wichtigsten Systeme. Nach größeren Änderungen an der Infrastruktur sollte die technische Übung wiederholt werden, weil sich mit jeder Änderung Annahmen ändern.

    Sollen wir im Ernstfall zahlen?

    Diese Entscheidung gehört vorbereitet, nicht improvisiert. Eine Zahlung garantiert keine Wiederherstellung, finanziert kriminelle Strukturen und kann rechtliche Folgen haben. Deutlich wichtiger ist, in eine Lage zu kommen, in der die Frage sich nicht stellt: getrennte, nicht überschreibbare Sicherungen und ein geprobter Wiederanlauf. Wer angegriffen wird, sollte unverzüglich Strafverfolgungsbehörden einbeziehen und Meldepflichten prüfen.

    Sprechen wir über Notfallmanagement und Wiederanlauf

    Im Erstgespräch klären wir in dreißig Minuten, wo bei Ihnen der größte Hebel liegt und ob wir die Richtigen dafür sind.

    Weiterführend

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    Quellen