Vergütung und Bindung

    Flexible Arbeit und Arbeitszeitmodelle

    Von Redaktion techport.ai, HR-Beratung · Zuletzt aktualisiert am

    In der Entwicklung gilt: zwei Tage Büro, der Rest frei wählbar. Im Vertrieb entscheidet die Führungskraft von Woche zu Woche. In der Buchhaltung gibt es kein Homeoffice, weil es nie eingeführt wurde. Und in der Produktion fragen sich alle, warum die anderen dürfen und sie nicht. Flexible Arbeit ist in vielen Unternehmen ein Flickenteppich aus Einzelabsprachen, der Ungerechtigkeit erzeugt und im Konfliktfall niemandem Sicherheit gibt.

    Flexibilität braucht Regeln, sonst wird sie zur Frage, wer die nachsichtigere Führungskraft hat. Und sie braucht Arbeitszeitmodelle, die zur Arbeit passen und nicht zum Formular.

    Woran Sie es merken

    • Es gibt eine Homeoffice-Regelung, aber jedes Team lebt eine andere.
    • Arbeitszeitmodelle stammen aus einer Zeit, in der alle um acht kamen. Teilzeitwünsche werden einzeln verhandelt.
    • Der Betriebsrat bekommt Beschwerden über Ungleichbehandlung zwischen Bereichen.
    • Die Zeiterfassung kennt die Modelle nicht, die tatsächlich gelebt werden.

    Warum das passiert

    Flexible Arbeit wurde 2020 über Nacht eingeführt und danach nie geordnet. Die Regelungen entstanden als Reaktion, nicht als Gestaltung. Arbeitszeitmodelle wiederum sind im System hinterlegt und werden deshalb nicht angefasst, auch wenn die Arbeit sich längst verändert hat. Und die Abstimmung mit dem Betriebsrat wird gescheut, weil sie Aufwand bedeutet, obwohl sie die einzige Möglichkeit ist, verbindliche Regeln zu schaffen.

    So gehen wir vor

    1. Ist-Stand erheben. Wir erfassen, welche Regelungen in welchen Bereichen tatsächlich gelten, und vergleichen sie mit dem, was offiziell gilt. Die Differenz ist das Problem.
    2. Tätigkeiten statt Abteilungen betrachten. Nicht jede Abteilung ist gleich, aber jede Tätigkeit lässt sich einordnen: ortsgebunden, teilweise ortsgebunden, ortsunabhängig. Daraus entstehen Regeln, die sich begründen lassen.
    3. Modelle gestalten. Für Arbeitszeit und Arbeitsort definieren wir wenige Modelle mit klaren Rahmen: Kernzeiten oder nicht, Mindestpräsenz, Erreichbarkeit, Ausstattung, Kostenübernahme. Teilzeit bekommt feste Muster statt Einzelfälle.
    4. Verankern. Regeln werden in einer Betriebsvereinbarung festgehalten, Modelle werden in Zeitwirtschaft und HR-System hinterlegt, damit Planung, Erfassung und Abrechnung zusammenpassen.

    Was Sie davon haben

    • Gleichbehandlung, die sich begründen lässt, statt Ungerechtigkeit, die sich herumspricht.
    • Führungskräfte haben einen Rahmen und müssen nicht jede Anfrage einzeln entscheiden.
    • Die Zeiterfassung bildet ab, was tatsächlich gearbeitet wird.

    Aus unseren Projekten

    Wenn wir den Ist-Stand erheben, finden wir in mittelständischen Unternehmen regelmäßig eine offizielle Regelung und ein halbes Dutzend gelebter Varianten. Der Ansatz über Tätigkeiten statt Abteilungen löst die meisten Gerechtigkeitsdebatten, weil er begründbar ist. Die Verhandlung mit dem Betriebsrat dauert nach unserer Erfahrung kürzer als befürchtet, wenn die Regeln vorher auf Tätigkeitsebene durchdacht sind.

    Gut zu wissen

    Der Referentenentwurf zur Reform des Arbeitszeitgesetzes vom Juni 2026 sieht vor, die tägliche Höchstarbeitszeit durch eine durchschnittliche Wochenhöchstarbeitszeit von 48 Stunden zu ersetzen und die elektronische Arbeitszeiterfassung verpflichtend zu machen. Geplantes Inkrafttreten ist der 1. Januar 2027, beschlossen ist noch nichts. Arbeitszeitmodelle, die heute entworfen werden, sollten beides mitdenken. Den Stand halten wir im Regulatorik-Radar fest.

    Häufige Fragen

    Brauchen wir eine Betriebsvereinbarung zu mobiler Arbeit?

    Wenn es einen Betriebsrat gibt, ja. Die Ausgestaltung mobiler Arbeit ist nach § 87 Absatz 1 Nummer 14 BetrVG mitbestimmungspflichtig. Ohne Betriebsrat empfehlen wir eine Richtlinie mit denselben Inhalten, damit die Regeln für alle gelten.

    Wie gehen wir mit Bereichen um, die nicht mobil arbeiten können?

    Offen benennen und Ausgleich schaffen, etwa durch Einfluss auf die Schichtplanung, Zeitkonten oder Zusatzleistungen. Ungleichheit wird akzeptiert, wenn sie begründet ist und nicht einfach hingenommen wird.

    Sprechen wir über Flexible Arbeit und Arbeitszeitmodelle

    Im Erstgespräch klären wir in dreißig Minuten, wo bei Ihnen der größte Hebel liegt und ob wir die Richtigen dafür sind.

    Weiterführend

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    Quellen