Altsysteme ablösen
Von Redaktion techport.ai, IT-Beratung · Zuletzt aktualisiert am
In fast jedem mittelständischen Unternehmen läuft mindestens ein System, das eigentlich abgelöst gehört. Es tut, was es soll, es kostet wenig, und es ist deshalb schwer, für seine Ablösung Geld zu bekommen. Bis der Moment kommt, in dem die Person in Rente geht, die es als Einzige pflegen kann, oder in dem eine Sicherheitslücke bekannt wird, für die es keine Aktualisierung mehr gibt.
Alte Systeme sind kein technisches Ärgernis, sondern ein Geschäftsrisiko mit ungewissem Eintrittszeitpunkt. Die Aufgabe besteht darin, dieses Risiko zu bewerten und die Ablösung zu planen, solange man noch wählen kann.
Woran Sie es merken
- Für ein System gibt es keine Aktualisierungen mehr, und es läuft auf einem Betriebssystem, das ebenfalls nicht mehr unterstützt wird.
- Änderungen sind nur über eine Person oder einen einzelnen Dienstleister möglich.
- Das System läuft auf einer eigenen Maschine, die nicht angefasst werden darf.
- Neue Anforderungen werden abgelehnt mit dem Hinweis, dass es das alte System nicht kann.
Warum das passiert
Alte Systeme sind stabil, weil sie über Jahre alle Sonderfälle gesehen haben. Diese Stabilität ist ein echter Wert und der Grund, warum eine Ablösung schwerfällt. Dazu kommt, dass das Wissen über die fachlichen Regeln oft nur im System selbst existiert, nicht in einer Dokumentation. Wer ablösen will, muss dieses Wissen erst zurückgewinnen, und dieser Aufwand ist zu Beginn nicht sichtbar. Deshalb wird die Entscheidung vertagt, bis sie erzwungen wird, und dann fehlt die Zeit für einen geordneten Weg.
So gehen wir vor
- Risiko bewerten statt Alter. Wir bewerten jedes Altsystem entlang von fünf Fragen: Gibt es Herstellerunterstützung, gibt es mehr als eine Person mit Kenntnis, ist es von außen erreichbar, welche Daten verarbeitet es, und wie hoch wäre der Schaden bei mehrtägigem Ausfall. Daraus entsteht eine Reihenfolge, die begründbar ist.
- Fachliche Regeln zurückgewinnen. Wir arbeiten mit den Anwendern heraus, was das System tatsächlich tut, welche Sonderfälle es abbildet und welche davon heute noch gebraucht werden. Erfahrungsgemäß fällt in diesem Schritt ein spürbarer Teil der vermeintlichen Anforderungen weg.
- Schnitt festlegen. Wir zerlegen das System in Funktionsblöcke und prüfen, welche davon einzeln ersetzt werden können, etwa durch ein vorhandenes System, durch Standardsoftware oder durch eine kleine Eigenentwicklung. Ein schrittweiser Weg ist fast immer sicherer als eine vollständige Umstellung an einem Wochenende.
- Ablösen und abschalten. Wir setzen die Schritte um, führen den Parallelbetrieb zeitlich begrenzt und mit einem Enddatum, und schalten das Altsystem tatsächlich ab. Ein abgeschaltetes System ist der einzige Beweis dafür, dass die Ablösung gelungen ist.
Was Sie davon haben
- Weniger Systeme, für die es weder Aktualisierungen noch Fachleute gibt.
- Eine Reihenfolge, die sich an Risiko orientiert statt an Lautstärke.
- Fachliche Regeln, die dokumentiert sind und nicht mehr nur im Code stehen.
Aus unseren Projekten
Der Parallelbetrieb ist die Stelle, an der Ablösungen scheitern. Wenn der alte Weg offen bleibt und kein Enddatum hat, nutzen ihn genau die Personen weiter, die den neuen am dringendsten bräuchten. Wir vereinbaren deshalb bereits vor dem Start ein Abschaltdatum und machen den Weiterbetrieb ab diesem Datum zur bewussten Entscheidung mit Begründung. Der zweite regelmäßige Befund: Beim Zurückgewinnen der fachlichen Regeln entdecken Fachbereiche Sonderfälle, die seit Jahren automatisch bearbeitet werden und die niemand mehr kennt. Diese Fälle sind der wichtigste Teil der Anforderungen und der häufigste Grund für Überraschungen nach dem Start.
Häufige Fragen
Können wir ein Altsystem einfach in eine virtuelle Maschine verschieben?
Das verlängert die Lebensdauer und beseitigt das Hardwarerisiko, aber es beseitigt weder das Sicherheitsrisiko noch die Abhängigkeit von einzelnen Personen. Als Zwischenschritt ist es sinnvoll, wenn gleichzeitig die Ablösung geplant wird. Als Dauerlösung verschiebt es das Problem in ein Jahr, in dem der Druck größer und die Auswahl kleiner ist.
Was tun, wenn niemand mehr weiß, wie das System funktioniert?
Dann beginnt die Ablösung bei den Ergebnissen statt beim System. Wir nehmen auf, was hineingeht und was herauskommt, welche Berichte und Belege entstehen und welche Regeln die Anwender kennen. Das ergibt eine belastbare Anforderungsbasis. Der Code selbst ist in diesen Fällen selten die beste Quelle, weil er auch Regeln enthält, die längst nicht mehr gelten.
Sprechen wir über Altsysteme ablösen
Im Erstgespräch klären wir in dreißig Minuten, wo bei Ihnen der größte Hebel liegt und ob wir die Richtigen dafür sind.
Weiterführend
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