HR-Daten und Systeme · Schwerpunkt
HR-Software auswählen und einführen
Von Redaktion techport.ai, HR-Beratung · Zuletzt aktualisiert am
Die meisten gescheiterten HR-Systemeinführungen scheitern nicht am System. Sie scheitern daran, dass die Auswahl mit einer Anbieterpräsentation begann statt mit den eigenen Prozessen, dass der Betriebsrat nach der Vertragsunterschrift informiert wurde, dass die Daten ungeprüft migriert wurden und dass nach dem Go-live niemand mehr zuständig war. Drei Jahre später wird ein Drittel der Funktionen genutzt, der Rest ist Lizenzkosten.
Eine Systemauswahl ist eine Prozessentscheidung mit technischen Folgen. Wer die Prozesse kennt, kann Anbieter vergleichen. Wer sie nicht kennt, kauft die beste Präsentation.
Woran Sie es merken
- Das aktuelle System bildet Prozesse ab, die es seit Jahren nicht mehr gibt, und kann die nicht, die gebraucht werden.
- Anforderungen existieren als Wunschliste aus der Fachabteilung, ohne Priorität und ohne Bezug zu Prozessen.
- Die letzte Einführung hat doppelt so lange gedauert wie geplant, und die Datenmigration war der Grund.
- Niemand im Haus kann das System administrieren. Jede Änderung ist ein Ticket beim Anbieter.
Warum das passiert
HR-Systeme werden selten ausgewählt. Die Entscheidung fällt alle acht bis zwölf Jahre, niemand hat Erfahrung damit, und der Markt ist unübersichtlich. Anbieter sind in Präsentationen besser als in der Realität, Referenzkunden sind handverlesen, und die entscheidenden Fragen nach Schnittstellen, Datenmodell und Administration werden nicht gestellt, weil niemand weiß, dass sie entscheidend sind.
So gehen wir vor
- Anforderungen aus Prozessen ableiten. Wir nehmen Ihre Kernprozesse auf und leiten daraus Anforderungen ab, gewichtet nach Muss, Soll, Kann. Dazu kommen Querschnittsanforderungen: Schnittstellen, Berechtigungen, Datenschutz, Mitbestimmung, Mandantenfähigkeit, Hosting.
- Markt eingrenzen und vergleichen. Aus dem Markt wählen wir vier bis sechs Systeme, die zu Größe, Branche und Anforderungen passen. Jeder Anbieter bekommt dasselbe Drehbuch mit Ihren Prozessen und Ihren Daten. Bewertet wird, was gezeigt wird, nicht, was versprochen wird.
- Entscheiden und verhandeln. Bewertung, Kosten über fünf Jahre, Referenzgespräche mit Kunden, die Sie auswählen, Vertragsprüfung zu Laufzeit, Preissteigerung, Datenherausgabe und Exit. Der Betriebsrat ist spätestens jetzt beteiligt, besser früher.
- Einführen und verankern. Datenbereinigung vor der Migration, Testmigration, Betriebsvereinbarung, Schulung nach Rollen, Go-live mit Hypercare. Danach bekommt das System einen Eigentümer im Haus und einen Entwicklungsplan für die Funktionen, die in Welle zwei und drei kommen.
Was Sie davon haben
- Ein System, das Ihre Prozesse trägt, statt Prozesse, die sich dem System anpassen.
- Eine Einführung, die im Zeitplan bleibt, weil die Daten vorher geprüft wurden und der Betriebsrat nicht in Woche drei stoppt.
- Nutzung, die wächst statt schrumpft, weil jemand zuständig ist.
Aus unseren Projekten
In Auswahlprojekten sehen wir, dass Anbieterpräsentationen ohne eigenes Drehbuch fast immer zu derselben Reihenfolge führen wie die Qualität der Vertriebsmannschaft. Mit Drehbuch und eigenen Daten dreht sich das Bild regelmäßig. Die häufigste Ursache für Verzögerungen nach der Entscheidung ist die Datenmigration, und die zweithäufigste ist ein Betriebsrat, der zu spät eingebunden wurde. Beides lässt sich planen, und wir planen es vor der Anbieterauswahl.
Gut zu wissen
Ein HR-System ist eine technische Einrichtung, die objektiv zur Überwachung von Verhalten und Leistung geeignet ist, und unterliegt damit der Mitbestimmung nach § 87 Absatz 1 Nummer 6 BetrVG. Ob Sie überwachen wollen, spielt keine Rolle. Schon die Planung ist nach § 90 BetrVG mit dem Betriebsrat zu beraten. Eine Datenschutz-Folgenabschätzung nach Artikel 35 DSGVO ist bei umfassenden HR-Systemen in der Regel erforderlich. Wer beides im Projektplan hat, verliert keine Zeit. Wer beides vergisst, verliert Monate.
Häufige Fragen
Cloud oder eigenes Rechenzentrum?
Für die meisten mittelständischen Unternehmen Cloud, weil Betrieb, Updates und gesetzliche Anpassungen beim Anbieter liegen. Entscheidend sind Serverstandort, Auftragsverarbeitungsvertrag, Datenherausgabe bei Vertragsende und die Frage, wer Zugriff hat. Das prüfen wir vertraglich, nicht nur in der Präsentation.
Ein System für alles oder Spezialsysteme?
Ein Kernsystem für Stammdaten, Organisation und Prozesse, dazu Spezialsysteme nur dort, wo das Kernsystem schwach ist, etwa Bewerbermanagement oder Lernen, mit sauberen Schnittstellen. Der Datenbestand muss an einer Stelle führend sein, sonst sind Sie wieder bei fünf Wahrheiten.
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Im Erstgespräch klären wir in dreißig Minuten, wo bei Ihnen der größte Hebel liegt und ob wir die Richtigen dafür sind.
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