Architektur und Anwendungen

    Cloud-Strategie festlegen

    Von Redaktion techport.ai, IT-Beratung · Zuletzt aktualisiert am

    Die Cloud-Diskussion im Mittelstand wird oft als Glaubensfrage geführt. Die eine Seite sagt, alles gehöre in die Cloud, weil Betrieb und Aktualisierungen dann jemand anderes macht. Die andere Seite sagt, die Daten müssten im Haus bleiben. Beide Positionen führen zu schlechten Entscheidungen, weil sie pauschal sind.

    Die brauchbare Frage lautet nicht, ob Cloud, sondern welches System aus welchem Grund. Für ein Standardsystem mit schwankender Nutzung fällt die Antwort anders aus als für eine Fertigungssteuerung, die auch ohne Internetverbindung laufen muss.

    Woran Sie es merken

    • Es gibt eine Cloud-Strategie auf Papier, aber die Entscheidungen im Alltag folgen ihr nicht.
    • Die monatlichen Cloud-Kosten steigen, ohne dass jemand die Ursache benennen kann.
    • Bei Kundenanfragen zu Serverstandort und Zugriffen dauert die Antwort Wochen.
    • Ein Wechsel des Anbieters gilt als ausgeschlossen, weil niemand weiß, wie die Daten herauskämen.

    Warum das passiert

    Cloud-Entscheidungen fallen im Mittelstand meist nicht als Entscheidung, sondern als Nebenwirkung. Ein Anbieter stellt sein Produkt auf ein Abonnement um, ein Fachbereich bucht einen Dienst, ein Projekt braucht schnell eine Umgebung. Nach zwei Jahren liegt ein Teil der Landschaft außerhalb des Hauses, ohne dass jemand die Gesamtkosten, die Abhängigkeiten oder die vertraglichen Grundlagen im Blick hat. Eine nachträgliche Strategie muss dann eine gewachsene Lage sortieren statt eine Richtung vorzugeben.

    So gehen wir vor

    1. Kriterien festlegen. Wir definieren mit Ihnen, wonach künftig entschieden wird: Kritikalität für den Betrieb, Anforderungen an Verfügbarkeit und Antwortzeiten, Art der Daten, vertragliche Zusagen gegenüber Kunden, verfügbare Fachleute im Haus und Gesamtkosten über die geplante Laufzeit.
    2. Bestand einordnen. Wir bewerten die vorhandenen Systeme anhand dieser Kriterien und ordnen jedem einen Zielzustand zu: im Haus, beim Anbieter betrieben, als Dienst genutzt oder abzulösen. Daraus entsteht ein Bild, das Entscheidungen im Einzelfall abkürzt.
    3. Verträge und Ausstieg prüfen. Wir prüfen je Dienst Serverstandort, Auftragsverarbeitung, Unterauftragnehmer, Verfügbarkeitszusagen, Preisanpassungen und vor allem die Herausgabe der Daten am Vertragsende, einschließlich Format und Frist.
    4. Kosten laufend beobachten. Wir richten eine einfache Kostenbeobachtung ein, die Verbrauch je Dienst und Bereich zeigt, und legen fest, wer sie prüft. Verbrauchsabrechnung ohne Beobachtung ist die verlässlichste Form, unbemerkt Geld auszugeben.

    Was Sie davon haben

    • Entscheidungen je System, die begründet und wiederholbar sind.
    • Antworten auf Kundenfragen zu Standort und Zugriff, ohne wochenlange Recherche.
    • Verträge, die einen Wechsel zulassen, und damit eine Verhandlungsposition.

    Aus unseren Projekten

    Der häufigste Irrtum in Cloud-Rechnungen ist der Vergleich der falschen Größen. Verglichen wird die Monatsrechnung mit den Anschaffungskosten eines Servers, während der eigene Betriebsaufwand, Wartungsverträge, Strom, Raum und vor allem die Arbeitszeit für Aktualisierungen unberücksichtigt bleiben. Umgekehrt fehlen auf der Cloud-Seite regelmäßig die Kosten für Datenübertragung, Sicherung und die Umgebungen für Test und Schulung. Wir rechnen deshalb immer über die geplante Laufzeit und mit beiden Seiten vollständig. In etwa der Hälfte der Fälle dreht diese Rechnung die ursprüngliche Annahme um.

    Gut zu wissen

    Der EU Data Act, Verordnung (EU) 2023/2854, ist seit dem 12. September 2025 anwendbar und stärkt Ihre Position beim Anbieterwechsel. Anbieter von Cloud-Diensten müssen den Wechsel vertraglich und technisch ermöglichen, mit einer Kündigungsfrist von höchstens zwei Monaten und einer anschließenden Übergangsphase von in der Regel höchstens dreißig Tagen. Entgelte für den Wechsel entfallen vollständig ab dem 12. Januar 2027. Prüfen Sie bei Vertragsverlängerungen, ob die Regelungen zum Wechsel den aktuellen Anforderungen entsprechen, und lassen Sie sich die Exportformate konkret benennen, nicht nur die Möglichkeit eines Exports.

    Häufige Fragen

    Müssen unsere Daten in Deutschland liegen?

    Gesetzlich nur in wenigen Fällen. Häufiger ergibt sich die Anforderung aus Verträgen mit Kunden, aus Branchenanforderungen oder aus einer eigenen Risikoentscheidung. Wichtiger als der Standort allein sind die Fragen, wer Zugriff auf die Daten hat, welchem Recht der Anbieter und seine Muttergesellschaft unterliegen und wie Zugriffe protokolliert werden.

    Was ist mit Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter?

    Sie lässt sich nicht vollständig vermeiden und sollte bewusst begrenzt werden. Praktikabel sind drei Maßnahmen: gängige Formate und Schnittstellen bevorzugen, den Datenexport regelmäßig testen statt ihn nur vertraglich zu vereinbaren, und für die geschäftskritischen Systeme wissen, welche Alternative es gäbe und was ein Wechsel kosten würde.

    Sprechen wir über Cloud-Strategie festlegen

    Im Erstgespräch klären wir in dreißig Minuten, wo bei Ihnen der größte Hebel liegt und ob wir die Richtigen dafür sind.

    Weiterführend

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    Quellen