Interne Mobilität und Beförderungen
Von Redaktion techport.ai, HR-Beratung · Zuletzt aktualisiert am
Die Stelle der Projektleiterin wird extern ausgeschrieben. Die Suche dauert fünf Monate und kostet mit Dienstleister 25.000 Euro. Die neue Kollegin braucht ein halbes Jahr, um das Unternehmen zu verstehen. Zwei Stockwerke tiefer sitzt ein Mitarbeiter, der die Stelle hätte übernehmen können, von der Ausschreibung aber erst erfuhr, als sie besetzt war. Seine Führungskraft hätte ihn ohnehin nicht gehen lassen.
Interne Mobilität ist das günstigste Recruiting und die wirksamste Bindung. Sie scheitert selten an fehlenden Talenten, sondern an fehlender Sichtbarkeit und an Führungskräften, die gute Leute lieber behalten als entwickeln.
Woran Sie es merken
- Der Anteil intern besetzter Stellen liegt unter 20 Prozent, und niemand misst ihn.
- Interne Bewerbungen gelten als Illoyalität gegenüber der eigenen Führungskraft.
- Beförderungen passieren, wenn jemand droht zu gehen.
- Mitarbeitende wissen nicht, welche Stellen offen sind und was sie dafür bräuchten.
Warum das passiert
Führungskräfte werden an der Leistung ihres Teams gemessen, nicht daran, wie viele Talente sie für das Unternehmen entwickelt haben. Interne Besetzung bedeutet für sie eine Lücke. Dazu fehlen die Werkzeuge: kein interner Stellenmarkt, keine Kompetenzdaten, keine Regel, die interne Kandidaten vor externen berücksichtigt.
So gehen wir vor
- Regeln festlegen. Jede Stelle wird intern sichtbar, bevor sie extern geht, mit einer definierten Frist. Interne Bewerbungen gehen an HR, nicht über die eigene Führungskraft. Die Führungskraft wird informiert, wenn es konkret wird, und sie hat kein Veto.
- Stellenmarkt einrichten. Im HR-System oder Bewerbermanagement entsteht ein interner Bereich mit offenen Stellen, Projektrollen und Anforderungen, verknüpft mit den Kompetenzdaten. Wo Daten vorhanden sind, schlägt das System passende Mitarbeitende vor.
- Führungskräfte umsteuern. Entwicklung und Abgabe von Talenten wird Teil der Führungsbewertung. Wer Menschen weiterbringt, wird dafür anerkannt, nicht bestraft.
- Beförderungen strukturieren. Feste Termine, dokumentierte Kriterien aus der Job-Architektur, Kalibrierung zwischen Bereichen. Das beendet Beförderungen als Reaktion auf Kündigungsdrohungen.
Was Sie davon haben
- Besetzungszeiten und Kosten sinken, weil der erste Blick nach innen geht.
- Menschen bleiben, weil Wechsel im Haus möglich ist und nicht nur außerhalb.
- Beförderungen werden begründbar und vergleichbar, auch gegenüber dem Betriebsrat.
Aus unseren Projekten
Die interne Besetzungsquote liegt bei Unternehmen, die wir zu Beginn messen, häufig unter 20 Prozent, und fast immer ist sie vorher nicht erhoben worden. Die wirksamste Einzelmaßnahme ist nach unserer Erfahrung die Regel, dass interne Bewerbungen direkt an HR gehen und die eigene Führungskraft kein Veto hat. Sie erzeugt Widerstand in der Führungsmannschaft, und sie ist der Grund, warum die Quote danach steigt.
Gut zu wissen
Nach § 93 BetrVG kann der Betriebsrat verlangen, dass Stellen vor der externen Besetzung intern ausgeschrieben werden. Versetzungen und Beförderungen sind in Betrieben mit mehr als 20 wahlberechtigten Beschäftigten nach § 99 BetrVG zustimmungspflichtig. Ein transparenter interner Stellenmarkt erfüllt beides und beschleunigt die Verfahren.
Häufige Fragen
Was, wenn die abgebende Führungskraft sich wehrt?
Dann braucht es eine Regel, die über ihr steht, und eine Übergangsfrist, die ihr Team nicht im Stich lässt. Beides legen wir vorher fest. Mit der Zeit ändert sich die Haltung, wenn Talententwicklung in der Führungsbewertung zählt.
Soll interne Mobilität auch horizontale Wechsel umfassen?
Unbedingt. Ein Wechsel in einen anderen Bereich ohne Beförderung hält oft Menschen, die sonst gegangen wären, und bringt Wissen dorthin, wo es fehlt.
Sprechen wir über Interne Mobilität und Beförderungen
Im Erstgespräch klären wir in dreißig Minuten, wo bei Ihnen der größte Hebel liegt und ob wir die Richtigen dafür sind.
Weiterführend
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